Disclaimer: Da einige Leser glauben, sich über den folgenden Text aufregen zu müssen, möchte ich hiermit ausdrücklich klarstellen, dass dieser Text keine Raucher-Hetze darstellen soll. Diese über 150 Jahre alten Bemerkungen sind eher aus historischer Distanz zu betrachten, zumal heutzutage wirklich niemand mehr das Wort "Türke" als Schimpfwort benutzen sollte. Abgesehen davon soll der Text allen Nichtrauchern zeigen, dass ihr Engagement mit Goethe als Vorreiter eine gute und lange Tradition hat. Webmaster

Goethe 1828  
J.W.v. Goethe 1828

Goethe zum Rauchen:

"Das Rauchen macht dumm; es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, für Menschen, die Langeweile haben, die ein Dritteil des Lebens verschlafen, ein Dritteil mit Essen und Trinken und anderen notwendigen oder überflüssigen Dingen hindudeln und alsdann nicht wissen, obgleich sie immer vita brevis sagen, was sie mit dem letzten Dritteil anfangen sollen. Für solche faulen Türken ist der liebevolle Verkehr mit den Pfeifen und der behagliche Augenblick der Dampfwolke, den sie in die Luft blasen, eine geistvolle Unterhaltung, weil sie ihnen über die Stunden hinweghilft.

Wenn es so fortgehen sollte, wie es den Anschein hat, so wird man nach zwei oder drei Menschenaltern schon sehen, was diese Schmauchlümmel aus Deutschland gemacht haben. An der Geistlosigkeit, Verkrüppelung und Armseligkeit unserer Literatur wird man es zuerst bemerken, und jene Gesellen werden diese Misere dennoch höflich bewundern. Und was kostet der Greuel! Schon jetzt gehen 25 Millionen Taler in Deutschland in Tabakrauch auf, die Summe kann auf 40, 50, 60 Millionen ansteigen. Und kein Hungriger wird gesättigt und kein Nackter bekleidet. Was könnte mit dem Gelde geschehen!

Aber es liegt auch im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?"


(Johann Wolfgang v. Goethe an Karl Ludwig v. Knebel, 1776 / 1806)